Handtherapie bei Rheuma und Arthrose

Hinweis: Die Inhalte dieser Seite dienen ausschließlich zur allgemeinen Information und ersetzen keine medizinische oder therapeutische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an einen Arzt oder eine qualifizierte Fachkraft. Ergo Sport Plus übernimmt keine Haftung für Handlungen, die auf Basis dieser Inhalte vorgenommen werden.

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9 Min. Lesezeit Für Erwachsene & Senioren

Rheuma und Arthrose an der Hand zählen zu den häufigsten Ursachen für Schmerzen und Funktionsverlust in den Händen – und sie betreffen keineswegs nur Senioren. Wenn Gelenke morgens steif sind, Greifen wehtut oder Finger sich verformen, verliert der Alltag schrittweise an Selbstverständlichkeit. Handtherapie bei rheumatischen Erkrankungen und Arthrose setzt genau dort an: Sie lindert Schmerzen, erhält Beweglichkeit und hilft, die Handkraft so lange wie möglich zu bewahren – mit individuell angepassten Schienen, gezielten Übungen und praktischen Alltagsstrategien. Dieser Artikel erklärt den Unterschied zwischen Rheuma und Arthrose, welche Beschwerden typisch sind – und was Handtherapie konkret leisten kann.

Rheuma oder Arthrose? Ein wichtiger Unterschied

Die Begriffe werden im Alltag oft durcheinandergebracht – dabei beschreiben sie grundlegend unterschiedliche Erkrankungen mit unterschiedlichen Ursachen und Behandlungsansätzen.

Rheumatoide Arthritis (RA) ist eine Autoimmunerkrankung: Das Immunsystem greift irrtümlich die Gelenkschleimhaut an, was zu Entzündung, Schwellung und mit der Zeit zu Gelenkzerstörung führt. Rheumatoide Arthritis tritt häufig symmetrisch auf – beide Hände sind betroffen – und beginnt oft mit kleinen Fingergelenken. Typisch sind morgendliche Steifigkeit über mehr als 30 Minuten, geschwollene Gelenke und systemische Symptome wie Erschöpfung und allgemeines Krankheitsgefühl. Rheumatoide Arthritis kann in jedem Alter auftreten, häufig auch bei jungen Erwachsenen.

Arthrose (Osteoarthrose) ist eine degenerative Gelenkerkrankung: Der Gelenkknorpel nutzt sich über die Jahre ab, bis Knochen auf Knochen reibt. Arthrose entsteht durch altersbedingte Abnutzung, durch frühere Verletzungen oder durch genetische Veranlagung. An der Hand betrifft sie häufig die Fingerendgelenke (Heberden-Arthrose), die Fingermittelgelenke (Bouchard-Arthrose) und das Daumensattelgelenk (Rhizarthrose). Schmerz und Steifigkeit verschlechtern sich oft bei Belastung – und bessern sich nach kurzer Aufwärmphase.

Beide Erkrankungen können gleichzeitig vorliegen. Die medikamentöse Behandlung unterscheidet sich deutlich – aber Handtherapie ist bei beiden sinnvoll und wirksam, auch wenn die Schwerpunkte variieren.

Typische Beschwerden an Hand und Fingern

Je nach Erkrankung und Stadium sind die Beschwerden unterschiedlich – aber folgende Zeichen sollten Anlass für eine ärztliche Abklärung und ergotherapeutische Begleitung sein:

  • Morgendliche Steifigkeit der Finger, die sich erst nach Bewegung löst
  • Schmerzen beim Greifen, Drehen oder Aufdrehen von Schraubverschlüssen
  • Schwellung, Rötung oder Überwärme an Fingergelenken
  • Sichtbare Verformungen der Gelenke – Knötchen an Endgelenken (Heberden), Abweichung der Finger zur Kleinfingerseite (Ulnardeviation bei RA)
  • Nachlassende Griffkraft – Gegenstände fallen aus der Hand
  • Schmerzen am Daumenballen beim Greifen oder Pinzettengriff (Hinweis auf Rhizarthrose)

Diese Beschwerden brauchen nicht einfach hingenommen zu werden. Frühzeitige Handtherapie kann die Funktion erhalten und den Verlauf günstig beeinflussen – in unserer Handtherapie in Ratingen begleiten wir Menschen mit Rheuma und Arthrose von der Diagnose bis in den Alltag.

Gelenkschutz: Das Fundament der Handtherapie

Gelenkschutz (englisch: Joint Protection) ist das wichtigste Prinzip der Handtherapie bei rheumatischen Erkrankungen – und gleichzeitig das, das am meisten Umdenken erfordert. Die Grundidee: Gelenke so einsetzen, dass sie möglichst wenig Belastung erfahren – besonders in entzündeten Phasen.

Konkrete Gelenkschutzprinzipien für den Alltag:

  • Große Gelenke bevorzugen: Taschen mit dem Unterarm statt mit den Fingergelenken tragen; Töpfe mit beiden Händen flach halten statt mit den Fingern zu greifen
  • Druck auf Gelenke vermeiden: Aufstützen auf Fingergelenken beim Aufstehen vermeiden – Handflächen oder Unterarme nutzen
  • Bewegungsrichtungen beachten: Schrauben immer in einer Richtung aufdrehen, die die Gelenke nicht in Fehlstellung zieht; Messer mit Kraft vom Körper weg führen
  • Griffkraft dosieren: Nur so fest greifen wie nötig – unnötige Kraftspitzen schonen Knorpel und Gelenkschleimhaut
  • Pausen einplanen: Belastende Tätigkeiten in kurze Einheiten aufteilen – Dauerbelastung schadet Gelenken mehr als kurze, dosierte Belastung

Gelenkschutz klingt einfach, muss aber geübt werden – denn er bedeutet, jahrelange Bewegungsgewohnheiten zu hinterfragen und zu verändern. Wir erarbeiten in der Handtherapie mit Ihnen gemeinsam, welche Ihrer Alltagsbewegungen Ihre Gelenke besonders belasten – und wie Sie es anders machen können, ohne auf Selbstständigkeit zu verzichten.

Schienen bei Rheuma und Arthrose

Schienen sind in der Handtherapie bei Rheuma und Arthrose ein zentrales Hilfsmittel – aber nicht alle Schienen sind gleich, und nicht jede Schiene passt zu jeder Phase und jedem Beschwerdebild.

Ruhigstellungsschienen

In entzündeten Phasen kann eine Ruhigstellungsschiene, die das betroffene Gelenk nachts oder in Ruhephasen in einer gelenkschonenden Position hält, die Entzündung reduzieren und Schmerzen lindern. Wichtig: Ruhigstellung immer nur partiell und zeitlich begrenzt – dauerhafte Immobilisierung führt zu Muskelschwund und Gelenksteifigkeit.

Funktionsschienen

Funktionsschienen werden während der Alltagsaktivität getragen: Sie stabilisieren das Gelenk, ohne die Bewegung vollständig zu blockieren. Beim Daumensattelgelenk (Rhizarthrose) zum Beispiel stabilisiert eine Daumenballenorthese den Daumensattel während des Greifens – was Schmerzen deutlich reduziert, ohne die Handfunktion wesentlich einzuschränken.

Korrekturschienen

Bei fortgeschrittener rheumatoider Arthritis mit beginnender Gelenkfehlstellung (z. B. Ulnardeviation der Finger) können Korrekturschienen helfen, die Fehlstellung zu verlangsamen und die Funktion zu erhalten. Diese Schienen werden individuell angefertigt – ein entscheidender Qualitätsunterschied gegenüber Konfektionsware aus der Apotheke.

Alle Schienen, die wir in der Handtherapie einsetzen, werden individuell aus thermoplastischem Kunststoff angepasst – direkt am Arm des Patienten, in der richtigen Gelenkposition, mit regelmäßiger Kontrolle und Anpassung im Verlauf.

Weitere Maßnahmen der Handtherapie

Bewegungsübungen

Bewegung ist bei Arthrose und Rheuma keine Gefahr – sie ist notwendig. Gezieltes Bewegungstraining erhält die Gelenkbeweglichkeit, stärkt die schützende Muskulatur und verbessert die Knorpelernährung, die auf Bewegung angewiesen ist. Entscheidend ist die richtige Dosierung: In entzündeten Phasen nur sanfte Bewegung, in ruhigen Phasen progressiver Aufbau. Wir zeigen Ihnen, welche Übungen wann sinnvoll sind – und welche Sie in entzündeten Phasen besser meiden.

Wärme- und Kälteanwendungen

Wärme fördert die Durchblutung, entspannt die Muskulatur und erleichtert die Morgensteifigkeit – besonders bei Arthrose. Kälte dagegen ist entzündungshemmend und eignet sich gut in akut entzündeten Phasen bei rheumatoider Arthritis. Die Faustregel: Bei Entzündung (Schwellung, Wärme, Rötung) eher Kälte; ohne Entzündungszeichen eher Wärme. Wir klären mit Ihnen, was in Ihrer Situation wann sinnvoll ist.

Manuelle Techniken

Gezielte manuelle Therapie – Mobilisation steifer Gelenke, Behandlung verspannter Unterarmmuskulatur, Weichteiltechniken – kann Schmerzen lindern und die Beweglichkeit verbessern. In entzündeten Phasen sind diese Techniken angepasst und besonders sanft.

Kraftaufbau

Schwächere Handmuskulatur schützt die Gelenke weniger – und umgekehrt: Gezielter Kraftaufbau der hand- und fingerumgebenden Muskulatur entlastet die Gelenke bei Alltagsbelastungen. Dieses Training ist dosiert und progressiv, immer abgestimmt auf den aktuellen Entzündungszustand.

Hilfsmittel für den Alltag mit Rheuma oder Arthrose

Das richtige Hilfsmittel zur richtigen Zeit kann bei Rheuma und Arthrose den Unterschied zwischen Selbstständigkeit und Abhängigkeit machen. In der Handtherapie beraten wir Sie, welche Hilfsmittel wirklich helfen – und wie sie finanziert werden können.

  • Griffverdicker: Für Besteck, Stifte, Küchenwerkzeuge und Türschlüssel – weniger Griffkraft nötig, weniger Belastung für die Fingergelenke
  • Flaschenöffner und Dosenöffner: Elektrische oder hebelbasierte Öffner ersetzen die Drehbewegung, die Daumensattel- und Fingergelenke besonders belastet
  • Ergonomische Küchenmesser: Pistolengriff oder angewinkelter Griff reduziert die Handgelenksbelastung beim Schneiden
  • Türklinken und Wasserhähne: Hebelgriffe statt Rundgriffe sind deutlich gelenkschonender – ein Umbau, der sich lohnt
  • Schreibhilfen: Griffverdicker oder Gewichtsstifte können das Schreiben mit Arthrose deutlich erleichtern
  • Anziehhilfen: Knopfhaken, Reißverschlussgriffe und Schuhanzieher für Menschen, deren Fingerfertigkeit durch Gelenkentzündungen eingeschränkt ist

Hilfsmittel können bei vorliegender Diagnose und ärztlicher Verordnung in vielen Fällen über die Krankenkasse finanziert werden. Für eine individuelle Hilfsmittelberatung in unserer Praxis in Ratingen stehen wir Ihnen offen.

Tipp aus der Praxis

Morgensteifigkeit ist für viele Menschen mit Rheuma oder Arthrose die schwerste Alltagshürde. Ein einfacher Trick: Beginnen Sie den Tag noch im Bett mit sanften Fingerübungen – Faust machen und strecken, Finger spreizen und schließen, das Handgelenk kreisen – bevor Sie aufstehen. Diese zwei bis drei Minuten Aufwärmung kostet fast nichts, kann aber die ersten Stunden des Tages deutlich erleichtern. Warmes Wasser beim Morgenwaschgang tut danach sein Übriges.

Sie leben mit Rheuma oder Arthrose an der Hand und möchten Schmerzen lindern, Beweglichkeit erhalten und den Alltag leichter gestalten? Unsere spezialisierte Handtherapie in Ratingen begleitet Sie individuell – von der Schienenversorgung bis zur Hilfsmittelberatung.

Handtherapie in Ratingen – unsere Leistungen

Häufige Fragen zur Handtherapie bei Rheuma und Arthrose

Kann Handtherapie Arthrose heilen?

Nein. Arthrose ist eine strukturelle Veränderung des Knorpels, die nicht rückgängig gemacht werden kann. Was Handtherapie jedoch leisten kann: Schmerzen reduzieren, die verbleibende Beweglichkeit erhalten und verbessern, die schützende Muskulatur stärken und durch Gelenkschutzstrategien und Hilfsmittel das Fortschreiten verlangsamen. Mit der richtigen Behandlung können viele Menschen trotz fortgeschrittener Arthrose eine gute Lebensqualität und Alltagsfunktion erhalten.

Darf ich mit Rheuma oder Arthrose die Hände belasten und bewegen?

Ja – und das ist sogar wichtig. Vollständige Schonung führt zu Muskelschwund, Gelenksteifigkeit und beschleunigtem Funktionsverlust. Der Schlüssel liegt in der richtigen Dosierung: In entzündeten Phasen nur sanfte Bewegung und gezielte Entlastung; in ruhigen Phasen progressiverer Aufbau. Handtherapie hilft Ihnen, diese Balance zu finden – individuell und sicher.

Wann ist eine Operation bei Arthrose oder Rheuma sinnvoll?

Ein operativer Eingriff – zum Beispiel eine Gelenk-Versteifung (Arthrodese) oder ein Gelenkersatz – kommt in der Regel erst in Betracht, wenn konservative Maßnahmen über einen ausreichend langen Zeitraum keine ausreichende Beschwerdelinderung gebracht haben und der Leidensdruck hoch ist. Diese Entscheidung wird gemeinsam mit dem behandelnden Rheumatologen oder Handchirurgen getroffen. Auch nach einer Operation ist Handtherapie in der Nachsorge wichtig.

Übernimmt die Krankenkasse Handtherapie bei Rheuma oder Arthrose?

Handtherapie kann bei Rheuma und Arthrose vom behandelnden Arzt – Hausarzt, Rheumatologe oder Orthopäde – auf Rezept verordnet werden. Bei vorliegender Verordnung übernehmen gesetzliche Krankenkassen in der Regel einen Großteil der Behandlungskosten. Auch Hilfsmittel und individuell angefertigte Schienen können in vielen Fällen verordnet werden. Wir beraten Sie gerne dazu.

Was ist Rhizarthrose – und wie wird sie behandelt?

Rhizarthrose ist eine Arthrose des Daumensattelgelenks – des Gelenks zwischen dem ersten Mittelhandknochen und dem Handwurzelknochen. Sie ist eine der häufigsten Arthroseformen an der Hand und macht sich durch Schmerzen an der Daumenbasis beim Greifen, Drehen und Pinzettengriff bemerkbar. Handtherapie bei Rhizarthrose umfasst eine individuell angepasste Daumenballenorthese, Gelenkschutzstrategien, Hilfsmittelberatung und gezieltes Kräftigungstraining. In vielen Fällen lässt sich damit eine Operation lange herauszögern oder gänzlich vermeiden.

Schmerzen und Steifigkeit in den Händen müssen Sie nicht einfach hinnehmen. Vereinbaren Sie jetzt einen Termin in unserer Handtherapie in Ratingen – wir schauen uns Ihren Befund individuell an.

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